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Das beste Rennen bislang: Deegan vs. Kitchen

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Lesedauer: 3 min

Levi Kitchen zeigt in Seattle ein starkes Comeback und liefert sich mit Haiden Deegan ein intensives, aber faires Duell. Auch ohne Sieg macht sein Auftritt deutlich: Er ist wieder voll da.

Der Saisonstart im Monster Energy Supercross verlief für Levi Kitchen alles andere als nach Plan. Drei Rennen, drei Stürze in der ersten Kurve – ein denkbar holpriger Auftakt. In Seattle gelang dem 250SX-Piloten nun jedoch die Trendwende. Kitchen präsentierte sich deutlich stabiler, gewann sein Heat Race und mischte im Main Event von Beginn an vorne mit.

Nach dem Start fand er sich zunächst direkt hinter Haiden Deegan wieder, verlor jedoch kurzzeitig Zeit, als er hinter Lux Turner festhing. In diesem Moment schien der Kampf um den Sieg bereits entschieden, doch Kitchen drehte das Rennen komplett. Über mehrere Runden war er der schnellste Fahrer auf der Strecke, schloss wieder auf und setzte Deegan unter Druck. Was folgte, war ein hochklassiger Schlagabtausch auf einer tiefen, ausgefahrenen und extrem anspruchsvollen Strecke.

Beide Fahrer überholten sich mehrfach, kämpften um jede Linie und mussten gleichzeitig immer wieder Überrundungen umfahren. Trotz der Aggressivität blieb das Duell fair – der Wille zu gewinnen stand klar im Vordergrund, nicht das stumpfe runterfahren um jeden Preis. Genau das machte dieses Rennen zu einem der Highlights der bisherigen Saison.

„Ich wollte einen guten Fight haben“, erklärte Deegan nach dem Rennen. „Einen Start-Ziel-Sieg zu fahren ist schön, aber das bringt mich fahrerisch nicht wirklich weiter. Solche Zweikämpfe helfen, das eigene Rennverständnis zu verbessern.“

Auch Kitchen selbst blickte positiv auf das Rennen zurück und blieb dabei bemerkenswert reflektiert.
„Unter dem Helm war es ziemlich verrückt“, sagte er. „Aber ich bin ruhig geblieben. Es gab keinen Moment, in dem ich dachte: ‚Ich ramme ihn jetzt einfach.‘ Und ich glaube nicht, dass er das bei mir wollte. Wir haben uns hart bekämpft, aber es hat Spaß gemacht.“

Besonders eine schwierige Sprungkombination spielte dabei eine Schlüsselrolle.
„Die Sektion war echt heftig“, erklärte Kitchen. „Mitch meinte danach zu mir: ‚Du wirst dir das nochmal anschauen und dir wünschen, du wärst es öfter gesprungen.‘“

Nach dem Zieleinlauf folgte ein Moment, der in den letzten Wochen kaum vorstellbar gewesen wäre: Respekt zwischen den beiden Rivalen.
„Ich habe lange nicht mit ihm gesprochen“, so Kitchen. „Dass er zu mir kam und gesagt hat, dass es ein gutes Rennen war – das war irgendwie cool. Wir haben uns gegenseitig respektiert.“

Auch kleinere Berührungen auf der Strecke ordnete Kitchen gelassen ein.
„Es gab nichts, bei dem ich dachte: ‚Was soll das jetzt?‘ Einmal wäre ich fast auf ihm gelandet, da dachte ich nur: ‚Das wäre richtig schiefgegangen.‘ Aber das war niemandes Schuld.“

Taktisch hatte Kitchen zudem einen entscheidenden Plan in der Hinterhand.
„Diese Linie hatte ich mir schon im Training zurechtgelegt. Ich bin sie im Qualifying einmal gefahren und wusste, dass sie funktioniert. Vor dem Start habe ich mir gesagt: Das könnte mein Vorteil sein. Und genau so war es.“

In der Gesamtwertung liegt Kitchen nach drei zweiten Plätzen in Serie nun auf Rang fünf. Deegan hingegen baute mit seinem fünften Sieg nacheinander seine Führung weiter aus. Entsprechend überlegt ging er in der Schlussphase zu Werke.
„Ich habe im Rennen einen kleinen Fehler gemacht“, erklärte Deegan. „Levi kam ran, also bin ich Runde für Runde gefahren und habe es clever gelöst. Mit so einem Punktevorsprung will man nichts Unnötiges riskieren.“

Auch die schwierigen Streckenbedingungen spielten für Deegan eine Rolle.
„Es war etwas chaotisch, aber wir waren insgesamt ziemlich langsam unterwegs. Selbst wenn wir uns berührt haben, war das harmlos. Ich wollte einfach gewinnen und meine Serie am Leben halten.“

Kitchen stimmte dem zu und betonte gleichzeitig, dass das Tempo dennoch hoch war. Gemeinsam setzten sich beide deutlich vom Rest des Feldes ab – ein klarer Beweis dafür, dass sie trotz aller Vorsicht das Rennen kontrollierten.

Als Nächstes steht Arlington auf dem Kalender. Ein erneutes direktes Duell zwischen Kitchen und Deegan müssen die Fans jedoch noch etwas abwarten. Erst beim East/West-Showdown in Birmingham in vier Wochen treffen sie wieder aufeinander – dann zusätzlich mit weiteren starken Namen im Feld. Spannung ist damit bereits jetzt garantiert.

Kai Schulte-Lippern
Kai Schulte-Lippern
Fotocredits
  • Align Media
Textcredits
  • Kai Schulte-Lippern

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