Cole Davies steht kurz vor dem größten Moment seiner noch jungen Karriere. In Philadelphia kann der 18-jährige Neuseeländer den 250SX-East-Titel klarmachen. Doch statt großer Ansagen setzt er auf Ruhe, Kontrolle und genau den Speed, der ihn 2026 so stark gemacht hat.
Cole Davies hat an diesem Wochenende in Philadelphia eine ziemlich einfache Rechnung vor sich. Holt er vier Punkte mehr als Seth Hammaker, ist der Titel in der 250SX East Division seiner. Der Monster Energy Yamaha Star Racing-Pilot reist mit 21 Punkten Vorsprung auf den Pro Circuit Kawasaki Fahrer in die vorletzte Station seiner East-Saison. Klingt komfortabel, ist im Supercross aber nie ein Selbstläufer.
Das hat Cleveland am vergangenen Samstag wieder gezeigt. Regen, schwierige Strecke, Triple-Crown-Format – und Davies musste sich durchbeißen. Mit den Ergebnissen 5-4-1 wurde er am Ende Dritter der Gesamtwertung. Nicht perfekt, aber stark genug, um seinen Vorsprung sogar leicht auszubauen.
„Cleveland war ein ziemlich hartes Wochenende für mich“, sagte Davies. Im ersten Rennen stürzte er, im zweiten kam er nicht sauber weg. Erst im letzten Lauf fand er wieder seinen Rhythmus und gewann. „Dazu kam noch der Regen. Das war kein einfaches Ding.“
Trotzdem wirkt Davies vor Philadelphia erstaunlich entspannt. Kein großes Titelgerede, kein unnötiges Risiko. „Ich fahre nach Philadelphia und nehme es so, wie es kommt. Ich will nichts erzwingen“, erklärte er. Natürlich wäre es schön, den Titel dort schon einzutüten. Aber wenn es erst in Salt Lake City passiert, sei das für ihn auch okay.
Diese Ruhe ist vielleicht genau der Unterschied zu den ersten Rennen der Saison. Davies gibt offen zu, dass er anfangs manchmal zu viel wollte. Zu heiß, zu aggressiv, zu sehr mit dem Kopf durch die Wand. Inzwischen fährt er kontrollierter. Rennen für Rennen. Keine Panik, kein Zwang. Und genau damit wurde er noch gefährlicher.
Vier Siege in der 250SX East Division, fast immer auf dem Podium, dazu ein Speed, der selbst alten Supercross-Größen auffällt. Besonders in den Whoops ist Davies in diesem Jahr eine echte Ansage. Ricky Carmichael und Ryan Villopoto haben bereits über sein Talent in diesem Streckenabschnitt gesprochen. Für Davies selbst ist es fast simpel: Dort kann er Zeit gutmachen, also greift er an.


„Ich mag die Whoops“, sagte er. „Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als da perfekt durchzukommen.“ Dahinter steckt für ihn aber nicht nur Mut. Es geht um Vertrauen, Einsatz und jahrelanges Feilen an der Technik. Und, wie er trocken ergänzt: Ein gutes Bike hilft natürlich auch.
Dass Davies überhaupt schon so weit ist, macht seine Saison noch beeindruckender. Seit seinem ersten AMA-Pro-Rennen im Januar 2025 ist er erst 21 Mal in den USA auf Profi-Niveau angetreten. Dazu kamen acht Rennen in der 250SX-Futures-Klasse. Lange ist er also noch nicht dabei. Trotzdem fährt er schon um einen großen Titel.
Der Schritt aus Neuseeland in die USA war für ihn riesig. Alles sei größer, lauter, professioneller, sagt Davies. Genau davon habe er als Kind geträumt. Heute versucht er, den ganzen Trubel so gut es geht auszublenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: fahren, besser werden, gewinnen.
Wichtige Hilfe bekam er dabei von Ben Townley. Der frühere MX2-Weltmeister und 250SX-East-Champion arbeitete schon in Neuseeland mit Davies und brachte ihm die Grundlagen im Supercross bei. Noch heute sprechen die beiden regelmäßig über Rennen, Fehler und Details. Dazu kommen bei Star Racing Leute wie Wil Hahn und Gareth Swanepoel, die Davies weiter formen.
Auch der nächste Karriereschritt ist schon ein Thema. Eine 450er könnte zu seinem Stil passen, meint Davies selbst. Er fährt eher mit niedrigen Drehzahlen, zwingt das Motorrad nicht unnötig und platziert es sauber. Aber Zukunft bleibt Zukunft. Im Moment zählt nur dieser Titel.
In Philadelphia will Davies deshalb nicht rechnen, sondern fahren. Sein Plan ist klar: rausgehen, das eigene Potenzial abrufen und um den Sieg kämpfen. Sollte es reichen, gewinnt er schon am Samstag seinen ersten Titel. Sollte es noch nicht reichen, wartet Salt Lake City.
