Jorge Prado führt die 450SMX-Wertung vor dem Finale an. In Missouri geht es für den Spanier um seinen ersten großen Titel in den USA.
Jorge Prado steht vor dem bislang wichtigsten Rennen seiner US-Karriere. Nach zwei von drei Runden der Monster Energy SuperMotocross World Championship führt der KTM-Werksfahrer die 450SMX-Wertung an. 16 Punkte trennen ihn noch vom Titel – doch beim Finale in Missouri werden dreifache Punkte vergeben.
Prados Weg an die Tabellenspitze war dabei alles andere als geradlinig. Nach dem Saisonfinale der AMA Pro Motocross Championship ging der Spanier als Zweiter hinter Hunter Lawrence in die SMX-Playoffs. In Columbus erwischte Lawrence einen schwierigen Tag und kam nur auf Rang 15. Prado fuhr im Schlamm auf Platz drei und übernahm damit erstmals seit seinem Wechsel in die USA das Red Plate.
In Los Angeles bestätigte Prado anschließend seine starke Form. Im ersten Lauf setzte er Ken Roczen bis zur Ziellinie unter Druck. Im zweiten Rennen wurde es dann richtig turbulent.
Prado übernahm zunächst die Führung und schien auf dem Weg zum nächsten Sieg. Doch ein Fehler an einem Quad kostete ihn die Spitze. Wenig später stürzte er auch noch im Sand und fiel bis auf Rang vier zurück. Bei der doppelten Punktwertung hätte dieser Fehler die Meisterschaftsführung kosten können.
Doch Prado kämpfte sich zurück. Er ging an Ken Roczen vorbei und rückte wieder auf Rang drei vor. Als anschließend auch Haiden Deegan im Sand zu Boden ging, war Prado plötzlich wieder Zweiter – und damit stand auch sein Gesamtsieg fest.
Den Moment nach seinem Sturz beschrieb Prado später sehr offen. „Als ich gestürzt bin, dachte ich: ‚Mann, wenn ich dachte, ich wäre in einer guten Position, bin ich jetzt nicht mehr in einer guten Position. Jetzt muss ich wirklich kämpfen.‘“ Genau das tat der Spanier. Er fand schnell wieder seinen Rhythmus, machte Positionen gut und setzte sich ein klares Ziel: „Mein Ziel war es, nach dem Sturz Zweiter zu werden, und genau das habe ich geschafft.“


Dass Prado nach einem solchen Rückschlag so schnell wieder ins Rennen fand, dürfte auch mit seinem gestiegenen Selbstvertrauen zusammenhängen. Besonders das rote Nummernschild scheint ihm dabei zusätzlichen Rückenwind zu geben. Während die Meisterschaftsführung für andere Fahrer zur Belastung werden kann, fühlt sich Prado damit offenbar besonders wohl.
„Ich war schon einmal in dieser Position, deshalb habe ich das Gefühl, dass ich mit dem Druck umgehen kann. Aus irgendeinem Grund fühle ich mich jedes Mal besser, wenn ich das Red Plate bekomme – egal, ob hier in den USA oder früher in Europa. Ich fühle mich selbstbewusster und mein Fahren wird aus irgendeinem Grund besser. Es sieht also so aus, als würde mir das Red Plate sehr gut stehen.“
Mit diesem Selbstvertrauen geht Prado nun ins Finale. 16 Punkte beträgt sein Vorsprung, gleichzeitig steht aber die dreifache Punktzahl auf dem Spiel. Ein taktisches Absichern auf dem Podium ist für ihn deshalb keine Option. Prado weiß, wie eng das Feld ist und wie schnell sich ein Rennen drehen kann.
„Es ist schwierig, denn auf das Podium zu kommen, ist nie einfach. Du kannst nicht mit der Einstellung zum nächsten Rennen gehen: ‚Das Podium ist okay.‘ Nein. Mit dieser Einstellung wirst du wahrscheinlich nicht einmal auf dem Podium landen, weil diese Jungs unglaublich schnell sind.“
Sein Plan für Missouri ist deshalb klar: nicht verwalten, sondern gewinnen. „Mein Ziel für die nächste Runde ist dasselbe: versuchen zu gewinnen. Ich weiß, wenn ich gewinne, hole ich den Titel, das ist zu 100 Prozent sicher. Also halte ich mich an diese Fakten.“
Für Prado könnte sich damit eine bemerkenswerte Entwicklung vollenden. Noch vor einem Jahr war seine Situation in den USA eine völlig andere. Nach einer schwierigen Saison mit Monster Energy Kawasaki wurde er für die SMX-Playoffs und das Motocross of Nations nicht eingesetzt.
Jetzt, nur ein Jahr später, führt der Spanier die Meisterschaft an und hat seinen ersten großen Titel in den USA unmittelbar vor Augen. Das Red Plate ist fest in seinen Händen, 16 Punkte liegen zwischen ihm und seinen Verfolgern. In Missouri entscheidet sich, ob Prado aus seinem starken SMX-Endspurt tatsächlich den 450SMX-Weltmeistertitel macht.
