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ADAC MX Masters Freising

Schmidinger erobert Freising

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Lesedauer: 5 min

Von der Ostsee nach München – über fehlende Autobahnkilometer können sich die Piloten der ADAC MX Masters wirklich nicht beklagen. Runde Drei der deutschen Topserie ging vergangenes Wochenende vor 8.000 Zuschauern und bei Kaiserwetter im bayrischen Freising über die Bühne. 

Am Ende eines ebenso langen wie heißen Sonntags war es mit Alpenrebell Günter Schmidinger sensationell ein Österreicher und dazu noch auf Honda, der Geschichte schrieb und mit einem 2/1-Resultat für den ersten Triumph eines österreichischen Piloten in der langen Geschichte der deutschen Premium-Klasse sorgte. "Bärig gwandta Schmidi!"

Mindestens zu 50% gefühlter Tagessieger war Cedric Soubeyras (KTM). Der 22-jährige Schützling von Burkhard Sarholz setzte nach dem Sieg in Heat eins alles daran, um im zweiten Lauf Schmidinger noch zu passieren. Doch der 23-jährige Kirchdorfer blieb eiskalt und fehlerlos, wehrte einige Angriffe von Soubeyras souverän ab und schob sich mit im Masters-Ranking auf Platz 3. Die Abwesenheit der deutschen GP-Stars Roczen/Nagl wollte eigentlich Suzukis Marcus Schiffer nutzen, um seine Führung in der Gesamtwertung nach Prisannewitz auszubauen. Das ging schief, Driss am Dom, wie man in Kölle sagt. "Skip" Schiffer landete –  nach Rang 3 in Heat eins – im zweiten Finallauf mittendrin im Erstrundencrash und verbog sich den Auspuff. Das hatte zur Folge, dass seine Suzuki umgehend den Geist aufgab und Schiffer völlig bedient zurück ins Paddock marschierte. 

Da hatte der zweite Pilot von Suzuki-Teammanager Thomas Ramsbacher wesentlich mehr Fortune. Der 19-jährige Schwede Tom Söderström, bislang nur Insidern ein Begriff, nutzte seine Chance als Gaststarter optimal und beendete seinen Arbeitstag als Dritter auf dem Tagespodium. Söderström: „Das war mein allererstes Rennen bei den ADAC MX Masters und nun stehe ich auch noch auf dem Podium. Ich bin natürlich super zufrieden mit diesem Erfolg. Meine Starts waren nicht wirklich gut, daher hat mich mein Ergebnis selbst überrascht. Ich werde auf alle Fälle weitere Rennen hier fahren, der Wettbewerb hier ist richtig gut." Und im Freisinger Überraschungspaket war noch viel mehr drin, denn auch auf den Plätzen jenseits vom Stockerl waren mit dem Vierten Martin Michek/CZ – der in der MX3-WM auf Rang 3 liegt! – und MX1 GP-Pilot Matthias „Hiashi“ Walkner/AUT zwei KTM-Fahrer zu finden, deren Bekanntheitsgrad hierzulande im krassen Gegensatz zum Speed steht. 

Einen schwarzen Sonntag erlebten dagegen die zwei deutschen Majorteams Pfeil Kawasaki und Kalli Racing. Kein Top Five-Platz für Jungs wie Daniel Siegl, Filip Neugebauer oder Kevin Wouts, da wird in den nächsten Tagen wohl noch Einiges an Redebedarf bestehen. Klar war Pech im Spiel und das nicht zu knapp – Stürze, Ohnebremsefahren, insgatterfahren – aber dass man in Freising am Start einfach dabei sein muss, weil der steinige Track kaum mehr als eine Spur bietet, ist bekannt.

Nachdem der dänische „Yamaha-Exot“ Stefan Kjer Olsen in den beiden nördlichen Auftaktrunden Drehna/Prisannewitz unschlagbar war, rechnete man mit einer Korrektur am Freisinger Bär. Doch auch dort, wo in Steinwurfnähe im Minutentakt Riesenjets die Pauschaltouris ins Urlaubsparadies befördern, ließ Olsen trotz mieser Starts nicht eine Hundertstel locker. "Ich bin heute sehr froh, dass ich auf dem Podium stehe und nun auch noch die Tageswertung gewinnen konnte. Für mich war es ein tolles Wochenende und ich bin sehr zufrieden damit. Im Zeittraining war mein Motorrad kaputt, aber ich gebe immer mein Bestes."

Das gab zweifellos auch Boris Maillard, der im ersten Lauf klar in Führung liegend, von einem „Lapper“ geblockt wurde. Verfolger Olsen sagte "Danke", fuhr vorbei und zum Laufsieg. Und in Heat zwei war der Tag für den französischen Rookie in Diensten von Harald Pfeil sehr schnell gelaufen. Als das Feld sich in die Startkurve stürzte, rutschte Maillard, auf Rang 3 liegend, das Vorderrad weg. Nur mit himmlischer Hilfe ist es zu erklären, dass keiner der nachfolgenden Piloten in den am Boden sitzenden Kawa-Piloten hineinfuhr!  Maillard zog mit viel Wut im Bauch bis ins Ziel noch vor auf 12, aber der Podiumsplatz war weg. 

Den holte sich nach tollem Kampf der kleine, erst 16-jährige Schweizer Jeremy Seewer. 2 x 4 = 3, mit dieser Formel gelang Seewer in seiner zweiten Youngster-Saison sein bislang größter Erfolg. Grossartig gefahren – leider nur in einem Lauf: Das stand für die zwei deutschen KTM Youngster Dominique „Nique“ Thury und Lars Reuther. Reuther finishte in Lauf eins als toller Dritter, Thury gelang das Kunststück, Verfolger Olsen zu halten und in Heat zwei den zweiten Platz zu verteidigen. Jeweils mit Zero Points dank DNF wegen technischen Defekts gab es „nur“ Top Ten-Plätze, aber die Formkurve bei beiden zeigt steil bergauf.

Youngsters – Olsen siegt weiter

Juniors – Paul Jonass siegt weiter

Auch hier gibt es einen „Dominator“ namens Pauls Jonass. Der 14-jährige Lette, der nicht nur in der Heimat als Supertalent gilt, zerstörte mit zwei Start-Ziel-Siegen wiederum das gesamte Feld und ist sich seiner Stärke durchaus bewusst: „Trotz meiner Überlegenheit genieße ich die Rennen bei den ADAC MX Masters. Ich mag die deutschen Rennstrecken und ich fahre genauso gerne im Sand wie auf harten Böden. Ich fühle mich total wohl im ADAC MX Junior Cup. Obwohl ich heute ein leichtes Rennen hatte, ist die Konkurrenz in meiner Klasse nicht zu verachten. Ein Spaziergang ist das nie für mich." 

Allen Grund zur Freude hatten die deutschen Fans und das Suzuki-Team von Ulli Reinecke, denn der 15-jährige Marco Fleissig – „dieses Wochenende war einfach nur geil!“ – konnte mit Rang 2 im Tagesranking nach viel Pech in den letzten Rennen endlich aufzeigen, welches Potential in ihm steckt.

So klein wie Lettland ist, es produziert MX-Fahrer am laufenden Band. Und so brachte Pauls Jonass einfach mal Buddy Tomas Sileika mit, der bei seinem dritten Rennen im Juniorcup auf Rang 3 landete und damit auch in der Serienwertung nach oben marschiert. Riesenpech hatte Kosaks Mika Kordbarlag, „In Lauf eins hatte ich einen recht guten Start, war Vierter und hatte zu kämpfen mit den Verfolgern. Zum Ende des Rennens konnte ich aber wieder aufschließen und wollte Sileika in der vorletzten Kurve überholen, stürzte aber und wurde nur Sechster. Im zweiten Lauf hatte ich wieder einen guten Start, war Zweiter und konnte mit Jonass mitgehen und von den Verfolgern absetzen. Aber schon in der zweiten Runde musste ich in die Box fahren, weil mein Moped nicht mehr wollte!!“ Shit happens Mika.

Günter Schmidinger ist der erste Österreicher, der bei den Masters gewinnt
Günter Schmidinger ist der erste Österreicher, der bei den Masters gewinnt

Masters – Schmidinger überrascht

Trotz schlechter Starts siegte erneut Stefan kjer Olsen #336
Trotz schlechter Starts siegte erneut Stefan kjer Olsen #336
Martin Anderson
Martin Anderson
Fotocredits
  • Steve Bauerschmidt
Textcredits
  • Frank Quatember