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AMA Pro Motocross Championship 2026 in Southwick

16 Europäer in Southwick!

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Lesedauer: 4 min

Southwick ist die tiefste Sandstrecke des amerikanischen Nationals. Ausgerechnet dort trifft in diesem Jahr eine europäische Delegation von Rekordgröße ein. Vom vierfachen Weltmeister bis zum EMX-Youngster ist alles dabei. Was steckt dahinter?

Wenn am Samstag in Southwick die Startgatter fallen, schreibt die AMA Pro Motocross Championship ein kleines Stück Geschichte. Ganze 16 europäische Fahrer haben sich für Runde fünf der Saison gemeldet, verteilt auf die 450er- und die 250er-Klasse. Ein europäisches Aufgebot dieser Größe hat der berüchtigte Sand von Massachusetts so noch nicht gesehen. Dass ausgerechnet Southwick, die sandigste und wohl anspruchsvollste Strecke der Serie, zur Bühne dieses Kontinentalvergleichs wird, macht das Wochenende umso reizvoller, denn im Tiefsand können Europäer bekanntlich beeindrucken.

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Aus deutscher Sicht richtet sich in der 450er Klasse der Blick vor allem auf Masters-Tabellenführer Roan van de Moosdijk. Der Niederländer startet für das KTM Kosak Racing Team und lieferte schon bei seinem US-Debüt in RedBud ein Ausrufezeichen. Nach einem technischen Defekt im ersten Lauf musste er den zweiten Durchgang von Startplatz 35 aufnehmen, wurde in der ersten Kurve zusätzlich durch einen Sturz aufgehalten und kämpfte sich anschließend bis auf Rang zehn nach vorne. Seine Rundenzeiten lagen dabei konstant auf Top-5-Niveau. Als amtierender ADAC-MX-Masters-Champion bringt er zudem ausgeprägte Sand-Skills mit, die ihm im tiefen Geläuf von Southwick klar in die Karten spielen sollten. Er selbst freut sich nach eigener Aussage schon auf genau dieses Rennen. Wenn alles zusammenpasst, könnte er für eine echte Überraschung sorgen.

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In der 250er Klasse liegt der Fokus aus deutscher Sicht auf Jan Krug. Für den Youngster aus Pulheim ist der Start in der 250er-Klasse eine Premiere: Als deutscher Fahrer geht er erstmals in den USA an den Start und erfüllt sich damit einen absoluten Kindheitstraum. Southwick als Bühne für dieses Debüt könnte kaum geeigneter sein, denn auch er weiß vor allem im Sand zu punkten.

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Im weiteren Feld tummeln sich viele vertraute Namen. In der 450er-Klasse führt Jorge Prado weiterhin die europäische Riege an. Der viermalige Weltmeister hat auf KTM zurück zu alter Stärke gefunden und liegt derzeit in der Meisterschaft auf Rang vier. In RedBud ging seine Formkurve nochmal steil nach oben, denn dort wurde er mit zwei Holeshots Gesamtzweiter. Dass er nach diesem Erfolg seinen ersten Veranstaltungssieg im Visier haben wird, ist dabei nur logisch.

Darüber hinaus wird auch das belgische Brüderpaar Lucas und Sacha Coenen wieder ganz vorne mitmischen. Schon bei ihrem US-Debüt in Thunder Valley, das sie im Roger-De-Coster-Tribut-Kit bestritten, sorgten die beiden für Furore, entsprechend haben sie nun den ganz großen Coup im Blick. Lucas fuhr in der 450er-Klasse in beiden Läufen hinter Jett Lawrence auf Rang zwei und wurde Gesamtzweiter. Sacha erwischte in der 250er-Klasse einen durchwachsenen ersten Lauf mit einem Sturz und Platz 14, konterte im zweiten Durchgang aber mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg und rettete sich so noch auf den vierten Gesamtrang. Auch die Coenens sind für ihre Sand-Skills bekannt und werden alles daransetzen, am Ende des Tages ganz oben zu stehen und sich gegen die Lawrence-Brüder als das schnellere Brüderpaar zu beweisen.

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Für einen sehr emotionalen Auftritt sorgt derweil Antonio Cairoli: Der neunfache Weltmeister kann den Helm immer noch nicht am Nagel lassen und fährt mit beachtlichen 40 Jahren weiterhin aktiv für Ducati. In Southwick absolviert er den zweiten seiner drei geplanten Gaststarts in 2026. Für ihn liegt der Fokus dabei eher auf den Race-Tests des Materials und auf dem reinen Fahrspaß statt auf Spitzenresultaten, doch es ist einfach nur beachtlich, welches Tempo er in seinem Alter immer noch an den Tag legen kann.

Komplettiert wird das europäische 450er-Kontingent von Dylan FerrandisValentin GuillodMikkel HaarupFrederik NorénStephen RubiniMatti JørgensenCornelius TøndelMagnus Smith und Kevin Buitenhuis. In der 250er-Klasse greift neben Jan Krug und Sacha Coenen der EMX250-Spitzenreiter und ebenfalls als Sandspezialist bekannte Francisco García ins Geschehen ein. So dominant, wie er aktuell die EMX250 anführt, dürfte auch er für eine große Überraschung gut sein.

Ein Trend, der Fragen aufwirft

Für die europäischen Fans ist es reizvoll zu sehen, wie sich ihre heimischen Piloten auf der großen US-Bühne schlagen. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, warum immer mehr Fahrer den Sprung über den Atlantik wagen. Die Reise ist mit immensen Kosten und großem Aufwand verbunden. Nehmen die Fahrer das nur in Kauf, um einmal das Amerika-Feeling zu erleben und sich einen Traum zu erfüllen? Oder steckt mehr dahinter, fast schon eine Flucht in ein besseres Leben? Dass der Sport dort größer ist und deutlich mehr Ansehen und Geld einbringt, ist längst kein Geheimnis mehr. Und dass es im MXGP nach wie vor kein Preisgeld gibt und die Fahrer komplett auf Werksverträge und Bonuszahlungen angewiesen sind, spricht eine eigene Sprache. Das Musterbeispiel ist nach wie vor der Schweizer Valentin Guillod. Er finanzierte seine MXGP-Karriere jahrelang über Sponsoren, eigene Ersparnisse und Unterstützer. Sportlichen Ruhm gab es, aber keinen finanziellen Ertrag. 2025 zog er die Konsequenz und ging in die USA. Am Ende brachte ihm dort allein Platz 16 in den SMX-Playoffs ein Preisgeld von über 31.000 Dollar. Das ist mehr, als er in seiner gesamten MXGP-Laufbahn an direktem Preisgeld verdient hatte.

Fazit

Southwick war schon immer die große Sandprüfung des Jahres. 2026 wird sie zum Schaulaufen des europäischen Motocross. 16 Fahrer aus Europa, von Weltmeistern über GP-Sieger bis zu aufstrebenden Talenten, treffen so geballt wie noch nie auf die amerikanische Konkurrenz. Und vielleicht ist dieser Rekord am Ende mehr als eine schöne Randnotiz, sondern ein Fingerzeig, in welche Richtung sich der Sport bewegt.

Jonas Mucha
Jonas Mucha
Fotocredits
  • Monster Energy
  • Steve Bauerschmidt
  • Jan Krug
  • Red Bull
Textcredits
  • Jonas Mucha

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