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Stefan Ekerolds Saison 2017

Achterbahnfahrt

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Lesedauer: 4 min

Die letzten Rennen in Stefan Ekerolds ereignisreichen Saison 2017 sind gelaufen. Und genau wie bisher lagen auch diesmal Höhen und Tiefen wieder sehr nah beieinander.

Hey Leute,
die letzten Rennen dieser turbulenten Saison 2017 sind vorbei und es war noch einmal eine ganz schöne Achterbahnfahrt. Aber eins nach dem Anderen: Nach Gaildorf meldete sich mein Körper und signalisierte mir, dass jetzt erstmal ein wenig Pause angesagt ist. Die viele Reiserei zu den GP und das emotionale Wochenende in Gaildorf hatten einfach gezehrt. Zum Glück war ein Wochenende Rennpause und ich füllte meine Akkus wieder auf. Nach zwei Trainingstagen unter der Woche ging es dann top vorbereitet zum letzten Lauf der Open DM nach Thurm.

Zuletzt war ich 2007 dort und seitdem wurde die Strecke stark verändert. Im Qualifying konnte ich mich Stück für Stück steigern und hatte mit Rang drei eine gute Ausgangsposition für die Rennen.
In ersten Lauf zog ich den Holeshot und führte das Feld lange an. Leider kostete mich ein kleiner Fahrfehler aber doch noch den Laufsieg. Das motivierte mich nur noch mehr für Lauf zwei: Ich gewann wieder den Start und fightete lange Zeit hart mit Christian Brockel. Gegen Ende des Rennens kam noch Neugebauer dazu und es war wirklich feinstes Racing um jeden Zentimeter bis ins Ziel. Ich entschied den Lauf für mich und holte somit auch den Tagessieg. Das Gefühl des Gewinnens ist mit nichts vergleichbar und es gibt für mich einfach nichts Besseres beim Motocross. Mein letzter Sieg war auch schon eine Weile her, was diesen Erfolg nur noch süßer hat schmecken lassen. Auch für mein Team und mein Umfeld ist das eine tolle Erfahrung und ich bin froh, den Leuten etwas für ihre harte Arbeit und die Unterstützung zurückgeben zu können.

Mit diesem Ergebnis im Rücken gab mir mein Team sogar noch die Chance den GP in Frankreich mitzufahren. Einmal mehr stemmte man also die finanzielle Hürde für mich und ich kann euch gar nicht sagen, wie dankbar ich für diese erneute Chance war erneut einen MXGP zu fahren. Denn ich wollte unbedingt noch mein Ziel erreichen WM-Punkte zu holen.

Schon im Quali-Race am Samstag setzte Starkregen ein und verwandelte den eigentlich sehr geilen Track in ein Schlammbad. Ich überholte nach gutem Start einige gestandene GP-Piloten und fuhr lange in den Top Ten, kam aber nach einem Sturz dann doch nur als 22. ins Ziel.
Ich wusste also, Sonntag ist mehr drin. Allerdings waren die Streckenverhältnisse durch den Dauerregen echt anspruchsvoll, um es mal positiv auszudrücken. Es war so extrem, dass ich wirklich jede Runde Schiss hatte den hinteren Steilhang hinunterzufahren. Die besten
Fahrer der Welt kamen hier komplett quer stehend in riesige Bremswellen, Rillen und Löcher heruntergeschlittert, was allein im Warm-Up schon zu etlichen Stürzen führte.

Aber das ist nun mal die Weltmeisterschaft, da wird immer gefahren und nachdem mir Coach André den Kopf etwas gerade gerückt hat, kam ich in Lauf eins auch gut zurecht. Auf Platz 16 liegend stürzte ich jedoch und steckte drei Runden lang im Schlamm fest. Da war dann nichts mehr zu holen.
In Lauf zwei hatte ich einen recht guten Start und fing an, mich in die Top 15 vorzuarbeiten, allerdings musste ich in die Box, um mir bei Starkregen eine neue Brille zu holen. Danach lag ich wieder außerhalb der Punkteränge. Doch war meine Sicht jetzt wieder klar und ich wollte unbedingt diese Punkte. Also kämpfte ich weiter bis zum Schluss und holte tatsächlich mit Rang 19 in meinem letzten GP-Lauf der Saison meine ersten WM-Punkte. Yes!

Dass Hoch und Tief im Motocross oft nah beieinander liegen zeigte sich eine Woche später beim letzten Masters Lauf in Holzgerlingen: Im Zeittraining brachte ich einfach keine schnelle Runde zustande. Als ich im Last-Chance-Rennen ausfiel war das Desaster komplett. Am Sonntag durfte ich also zuschauen. Ich war so dermaßen enttäuscht von mir selbst, ich hätte mich am liebsten irgendwo verkrochen. Doch auch damit muss man als Mensch und als Athlet umgehen können. Wenn es gut läuft ist es leicht ein Lächeln auf dem Gesicht zu haben. Jedoch am Sonntag in Holzgerlingen erhobenen Hauptes am Track zu stehen, mit seinen Fans zu sprechen und positiv zu sein, das ist eine Herausforderung, an der man wächst und die einen charakterlich weiter nach vorn bringt.

Alles in Allem war 2017 geprägt durch Höhen und Tiefen. Aber ich bin froh, dass alles so geschehen ist, denn ich konnte so viel lernen und entwickelte mich auf und neben dem Bike immens weiter. All die Veränderungen vor dieser Saison führten dazu, dass ich jetzt ein positives Umfeld habe, das endlich an mich und meine Ziele glaubt. Angefangen bei meinen Coaches André und Jan von der Pro Sports Alliance über mein Team Castrol Power 1 Suzuki Moto-Base bis hin zu meinen privaten Unterstützern und natürlich meiner Familie, die immer hinter mir steht und gestanden hat.
Mit all diesen fantastischen Menschen an meiner Seite freue ich mich jetzt schon auf 2018.

Jetzt werde ich mir aber erstmal eine Auszeit gönnen und mich mental sowie körperlich von der anstrengenden Saison erholen. Wenn ihr Lust habt, folgt mir doch einfach auf meinem neuen Sportlerprofil auf Facebook: Stefan Ekerold official MXGP. So seid ihr ab jetzt immer up to Date was meine Erlebnisse auch in der Off-Season angeht. Ich freue mich auf euch.

Bis zur nächsten Kolumne, gebt Alles und machts gut,
euer Stefan

Strahlender Sieger: Stefan Ekerold
Strahlender Sieger: Stefan Ekerold
Schlammschlacht zum WM-Abschluss
Schlammschlacht zum WM-Abschluss
Frühes Aus für Stefan
Frühes Aus für Stefan
Danke!
Danke!
Martin Anderson
Martin Anderson
Fotocredits
    Textcredits
    • Stefan Ekerold