Tomac übernimmt nach dem Detroit Supercross die Gesamtführung, obwohl er selbst nur Fünfter wird – Grund ist der Sturz von Lawrence, der wertvolle Punkte verliert. Roczen gewinnt dominant, verkürzt seinen Rückstand deutlich und ist wieder voll im Titelrennen.
Beim Monster Energy AMA Supercross in Detroit lief es für Eli Tomac alles andere als ideal – und trotzdem verlässt er den Abend als neuer Gesamtführender der Monster Energy AMA Supercross. Zwei eher schwache Rennen in Folge, aber genau im richtigen Moment das nötige Glück auf seiner Seite.
Tomac wurde in Detroit Fünfter, wirkte dabei aber erneut nicht in Topform. Schon in Birmingham fehlte ihm der Speed, und auch diesmal konnte er vorne nicht wirklich mitgehen. Im Qualifying lag er etwa eine Sekunde zurück, im Main blieb es bei einer soliden, aber unspektakulären Fahrt ohne echten Angriff nach vorne.
Der entscheidende Moment des Abends kam durch den Fehler von Hunter Lawrence. Nach einem schwachen Start arbeitete sich der Honda-Pilot stark nach vorne und lag bereits in Runde drei auf Platz drei. Er hatte richtig Tempo, schloss zu Chase Sexton auf und setzte sogar die schnellste Rennrunde. Doch dann der Rückschlag: In den Whoops blockierte mehrfach sein Vorderrad, er verlor die Kontrolle und stürzte.

Am Ende wurde Lawrence nur 18. – mit großen Auswirkungen auf die Meisterschaft. Innerhalb eines Rennens drehte sich die Situation komplett: Aus neun Punkten Vorsprung wurde ein Rückstand von vier Punkten. Ein 13-Punkte-Swing zugunsten von Tomac.
Nach dem Rennen zog sich Lawrence direkt zurück und gab keine Interviews. Teammanager Lars Lindstrom erklärte die Situation so: „Bei all den negativen Dingen muss man auch das Positive sehen. Er hat sich nach keinem guten Start stark nach vorne gearbeitet, viele Plätze gutgemacht und ist an die Spitze herangefahren. Hunter hat wirklich starke Runden gezeigt und hatte die schnellste Runde des Rennens. Er hat gesehen, was möglich gewesen wäre und wie viele Punkte drin gewesen wären. Aber die Whoops waren extrem schwierig. Es war einfach so ein Abend. Platz 18 ist natürlich nicht gut, aber Eli wurde Fünfter. Wir haben nicht so viele Punkte verloren und liegen nur vier Punkte zurück. Und das Wichtigste: Er hat sich nicht verletzt. Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können. Jetzt schauen wir nach vorne und greifen nächste Woche wieder an.“
Schon im Qualifying hatte Lawrence Glück, als er über den Berm ins Netz ging – ohne Folgen. Im Rennen wurde ihm dieser Fehler dann zum Verhängnis.
Besonders bitter: Genau diese Konstanz war bisher seine große Stärke. 13 Top-5-Ergebnisse in Folge – und jetzt dieser Ausrutscher. Im Titelkampf kann so ein Abend schnell zum Wendepunkt werden.
Ganz vorne nutzte hingegen Ken Roczen die Situation perfekt aus. Er gewann das Main Event souverän mit fast acht Sekunden Vorsprung und machte damit einen großen Schritt im Titelrennen. Sein Rückstand schrumpfte von 31 auf nur noch 14 Punkte – Roczen ist damit wieder klar in Schlagdistanz.
Nach dem Rennen machte Roczen deutlich, dass im Titelkampf weiterhin mit ihm zu rechnen ist und er im Saisonverlauf nicht nachlassen wird. Auch die Kommentatoren betonten, dass bei ihm laut eigener Aussage aktuell alles passt: Seit drei Jahren fährt er das gleiche Motorrad, dazu kommt ein eingespieltes Umfeld aus Familie, Team und Training – diese Konstanz zahlt sich jetzt aus.
Tomac selbst zeigte sich trotz der zurückgewonnenen Führung kritisch: „Ich wusste, dass ich davon profitieren würde, als ich gesehen habe, dass er [Hunter Lawrence] eine Runde zurücklag. Insgesamt war es aber ein frustrierender Tag. Ich hatte hier schon bei meinen letzten Rennen Probleme und weiß nicht genau, woran es liegt. In Detroit lief es zuletzt einfach nicht gut für mich. Vielleicht stecke ich gerade in einem kleinen Mid-Season-Tief. Wir werden daran arbeiten, besser zu werden und wieder näher an die Spitze zu kommen.“
Unterm Strich: Tomac übernimmt die Führung ohne zu glänzen. Lawrence verliert wichtige Punkte, Roczen rückt deutlich näher. Sechs Rennen vor Schluss ist der Titelkampf wieder komplett offen.
