Bei dem im Lumen Field von Seattle, Washington, absolvierten sechsten Lauf der AMA Supercross Championship 2026 zeigte Ken Roczen eine starke Performance, auch wenn das Endergebnis nicht das widerspiegelte, was zwischenzeitlich möglich schien. Der 31-jährige Thüringer belegte am Ende Rang zehn und bleibt mit lediglich elf Punkten Rückstand in Schlagdistanz zur Tabellenspitze.
Starker Auftakt Vorlauf
Von Beginn an präsentierte sich Ken Roczen auf seiner Progressive Insurance/Cycle Gear ECSTAR selbstbewusst. Nachdem er im Zeittraining die viertschnellste Rundenzeit vorgelegt hatte, setzte er im ersten Vorlauf er ein deutliches Ausrufezeichen.

Nachdem er bereits beim Start den Kampf um den Holeshot zu seinen Gunsten entscheiden konnte, behaupte der Mann mit der Startnummer #94 die Führung souverän bis ins Ziel, wo er die schwarz-weiß-karierte Flagge über vier Sekunden vor Justin Cooper (Yamaha) als Erster zu sehen bekam. Mit weiteren fünf Sekunden Abstand folgte Eli Tomac (KTM) als Dritter über die Ziellinie. Damit verschaffte sich Roczen eine optimale Ausgangsposition für das Hauptrennen.
Kampf um das Podium im Hauptrennen
Auch im finalen Hauptrennen über zwanzig Minuten plus seine Runde mischte Ken Roczen lange Zeit ganz vorne mit. Nach dem Fallen des Startgatters kämpfte er sich innerhalb der ersten drei Runden vom sechsten auf den dritten Rang vor und ging anschließend in einem hochklassigen Dreikampf mit Titelverteidiger Cooper Webb (Yamaha) und Eli Tomac das Tempo an der Spitze mit.

Doch die Strecke baute zunehmend ab. Tiefe Spurrillen und anspruchsvolle Rhythmuspassagen forderten ihren Tribut, so auch vom Suzuki-Piloten. In der entscheidenden Phase unterlief Roczen ein Fehler, der ihn wertvolle Sekunden kostete und es dem Red-Plate-Inhaber Hunter Lawrence (Honda) ermöglichte, zu ihm aufzuschließen. Beim Überholmanöver von Lawrence in Umlauf 22 kam es schließlich zu einer Kollision, wobei beide Fahrer zu Boden gingen. Bis Roczen nachfolgend wieder in seinen Rhythmus fand, war das Rennen praktisch entschieden. Am Ende musste er sich mit Rang zehn zufriedengeben.
Titelkampf weiter offen
Trotz des Rückschlags bleibt die Ausgangslage im Gesamtklassement der „Big Boys“ weiter vielversprechend. Zwar rutschte Ken Roczen auf den dritten Gesamtrang zurück, jedoch trennen ihn lediglich elf Punkte vom Tabellenführer Lawrence. Entsprechend versöhnlich fiel auch sein Urteil nach dem Rennen aus.
„Insgesamt hatten wir ehrlich gesagt einen ziemlich guten Tag“, resümierte Roczen nach dem Event. „Das ist immer ein verrückter Austragungsort, einfach weil die Strecke so anspruchsvoll ist. Wir hatten ein wirklich gutes Vorrennen und haben das gewonnen. Ich hatte die erste Startposition für das Hauptrennen und bin gut gestartet. Ehrlich gesagt habe ich in der Mitte des Rennens stark aufgeholt. Cooper, Eli und ich lagen dicht beieinander und fuhren wirklich gut.“

„Die Strecke verschlechterte sich jedoch sehr schnell, sodass ich gegen Ende ein paar schlechte Runden hatte. Ich machte einen Fehler und schaffte es nicht, vor der Whoop-Sektion zu doppeln, was mich viel Zeit gekostet hat. Dadurch konnte Hunter viel zu nah an mich herankommen und mich überholen“, schilderte Roczen den entscheidenden Rennabschnitt.
Dabei stellt er aber klar: „Er kam hinterher zu mir und entschuldigte sich. Und ich nehme ihm das wirklich nicht übel. Ich glaube, es war einfach ein kleiner Aussetzer von ihm und einfach Pech. In dieser Situation hatte ich den Kürzeren gezogen, denn bis ich wieder in Fahrt gekommen bin, war das Hauptrennen schon vorbei. Das Ergebnis war also nicht das Beste, aber wir liegen nur elf Punkte zurück. Insgesamt bin ich den ganzen Tag gut gefahren und hatte ein wirklich gutes Hauptrennen, daher kann ich wirklich nicht allzu verärgert sein. Nächstes Wochenende fahren wir nach Arlington, um es erneut zu versuchen.“
Auch Teamchef Dustin Pipes ordnete das Wochenende realistisch ein: „Es war ein hartes Wochenende in Seattle, nachdem wir zu Beginn des Hauptrennens um den Sieg gekämpft hatten. Trotz allem, was passiert ist, liegen wir immer noch nur elf Punkte hinter dem Tabellenführer. Es ist Zeit, sich wieder an die Arbeit zu machen und sich nächstes Wochenende in Dallas neu zu formieren.“
Damit richtet sich der Blick bereits auf die kommende Runde in Arlington/Texas, wo Ken Roczen den nächsten Angriff im Titelrennen starten will.
Alle Ergebnisse des SX in Seattle im Detail ››
