Nach der Trennung von Ducati ist Jeremy Seewer zurück im Fahrerlager und zwar auf einer KTM des Van Venrooy-Teams. Im Gespräch mit CROSS Magazin spricht der Schweizer über seinen Neuanfang, die schwierige Zeit bei Ducati, Gerüchte um einen Wechsel in die USA und seine Ziele für die Zukunft.

Jeremy, zunächst einmal Glückwunsch zum gelungenen Einstand auf der KTM. Du bist erst wenige Tage auf dem Motorrad unterwegs gewesen. Wie groß war die Umstellung?
Ehrlich gesagt ging das viel einfacher als erwartet. Ich saß vielleicht sechs bis acht Tage auf der KTM und habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Natürlich ist Motorradfahren auf WM-Niveau etwas anderes als einfach nur ein paar Runden zu drehen, aber das Grundgefühl war sofort da. Das Motorrad hat Spaß gemacht und ich konnte mich schnell darauf einstellen. Das erste Rennen in Halle war deshalb gleich ein guter Test.
Hättest du gedacht, dass du 2026 einmal für ein Satellitenteam an den Start gehst?
Eher nicht. Als sich die Trennung von Ducati abgezeichnet hat, lagen verschiedene Optionen auf dem Tisch. Interessanterweise war KTM schon vor Jahren einmal meine erste Wahl, damals als ich Yamaha verlassen habe. Das hat sich damals aber nicht ergeben. Jetzt hat es einfach gepasst. Das Team arbeitet sehr eng mit KTM zusammen und verfügt über Werksmaterial. Genau dieser direkte Draht war letztlich ausschlaggebend. Für meine aktuelle Situation war das die einfachste und beste Lösung. Im Moment konzentriere ich mich ausschließlich auf die restlichen Rennen. Alles Weitere wird sich später ergeben.
Was bleibt dir von deiner Zeit bei Ducati besonders in Erinnerung?
Es war eine unglaublich lehrreiche Zeit. Ich habe viel über Motorräder gelernt, aber auch über Menschen. Natürlich waren die beiden Podestplätze Highlights, vor allem das Heim-Podium in der Schweiz. Trotzdem muss man ehrlich sagen, dass das Gesamtpaket sportlich einfach nicht gepasst hat. Das Motorrad hat nicht zu meinem Fahrstil gepasst und wir haben keine wirkliche Lösung gefunden. Deshalb haben beide Seiten irgendwann erkannt, dass eine Trennung der richtige Schritt ist. Ich bin Ducati dankbar, dass sie mir diesen Wechsel ermöglicht haben. Das macht nicht jeder Hersteller.
Nach deinem Abschied bei Ducati wurde viel über einen Wechsel in die USA spekuliert. Wie sah diese Phase tatsächlich aus?
Ehrlich gesagt war ich einfach erst einmal zu Hause in der Schweiz. Die vergangenen Monate waren mental sehr anstrengend und ich musste den Kopf freibekommen. Ich habe zwei Wochen pausiert, Zeit mit Freunden und meiner Freundin verbracht und versucht, neue Energie zu tanken. Es gab zwar Gespräche und viele Gerüchte über die USA, aber konkret wurde das nie. Ich wollte nichts überstürzen. Mein Ziel war von Anfang an, in der MXGP zu bleiben und zu zeigen, dass ich mit einem Motorrad, das zu mir passt, wieder mein Potenzial abrufen kann. Ich bin dann zunächst sogar auf einer Suzuki gefahren, einfach um wieder Spaß auf dem Motorrad zu haben. Danach habe ich Honda und schließlich KTM getestet. Am Ende war Van Venrooy KTM für mich das kompletteste Paket.
Nach den schwierigen Jahren bei Kawasaki und Ducati hattest du zeitweise den Ruf, mit den Motorrädern schwer zurechtzukommen. Siehst du das heute anders?
Ja. Damals haben viele gedacht, ich wäre einfach kompliziert. Dabei wusste ich immer ziemlich genau, was ich brauche. Interessant ist, dass später andere Topfahrer wie Jorge Prado oder Chase Sexton mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Zwei Jahre später wurde mir dann gesagt: „Du hattest damals recht.“ Das bestätigt natürlich mein Gefühl. Deshalb ist es für mich jetzt so wichtig, wieder auf einem Motorrad zu sitzen, das wirklich zu meinem Fahrstil passt. Nur so kann ich wieder so fahren, wie ich es über viele Jahre getan habe.
Finanziell dürfte der Wechsel kein Schritt nach vorne gewesen sein.
Nein, natürlich nicht. Darum geht es im Moment aber auch gar nicht. Ich wollte wieder gutes Material und ein Umfeld, in dem ich mich beweisen kann. Im Motocross zählt am Ende nur, wie schnell du fährst – nicht, was du vorher erreicht hast oder welche Verträge du hattest. Ich möchte mir mein Selbstvertrauen Schritt für Schritt zurückholen. Das erste Rennen war dafür ein wichtiger Anfang. Natürlich merkt man nach so einer Pause den fehlenden Rennrhythmus, aber ich war mit meinem Einstand wirklich zufrieden.


Wie sehen deine Pläne für den Rest der Saison und darüber hinaus aus?
Zunächst einmal möchte ich einfach Rennen fahren und mich wieder kontinuierlich steigern. Langfristige Pläne gibt es aktuell noch nicht. Beim Motocross of Nations möchte ich natürlich für die Schweiz starten, selbstverständlich auf der KTM. Was 2027 passiert, wird sich zeigen. Natürlich wäre es eine schöne Geschichte, meine Karriere irgendwann auf Suzuki zu beenden. Dort hat schließlich alles begonnen. Im Moment weiß aber niemand, ob sich diese Möglichkeit überhaupt ergibt.
Vielen Dank für die offenen Worte, weiterhin viel Erfolg und willkommen zurück in deiner Spur!
