RJ Hampshire stand kurz vor einem historischen Fahrertausch in der AMA, den es so nicht gegeben haben soll. Kawasaki wollte plötzlich untereinander tauschen.
RJ Hampshire wurde ein Wechsel angeboten, der für die Motocross-Welt ungewöhnlich ist und so noch nicht stattgefunden haben soll: Kawasaki wollte ihn im Tausch gegen Jorge Prado verpflichten. Im Gypsy Tales Podcast sprach der US-Amerikaner über die damaligen Gespräche, das überraschende Ende seines Teams und die schwierige Suche nach einem neuen Arbeitgeber.
Nach seinem Titelgewinn in der 250SX-Westküstenmeisterschaft 2024 wollte Hampshire seine Zukunft bei Husqvarna langfristig sichern. Zunächst ging er davon aus, einen Zweijahresvertrag zu bekommen. Die Verantwortlichen wollten sich jedoch nicht für diesen Zeitraum festlegen. Stattdessen erhielt er einen Vertrag über ein Jahr mit Option auf eine weitere Saison – Hampshire unterschrieb.
Kurz vor dem Rennen in Budds Creek erhielt er einen überraschenden Anruf von Dan von Kawasaki Factory Racing. Der Hersteller wollte Hampshire offenbar im Tausch gegen Jorge Prado verpflichten und bot ihm dafür einen Zweijahresvertrag an. Hampshire schilderte im Podcast, wie unerwartet die Nachricht für ihn kam. Nachdem er sich kurz zurückgezogen hatte, um das Gespräch in Ruhe zu führen, erklärte ihm Dan die Pläne. Hampshire reagierte ungläubig: „Moment mal, ihr wollt mich gegen Prado tauschen? Und ich soll dann für Kawasaki Factory Racing fahren?“ Dan bestätigte den Plan und stellte ihm einen Zweijahresvertrag in Aussicht.
Für Hampshire war ein solcher Vorgang im Motocross absolutes Neuland. Er verglich die Situation mit der NBA oder NFL, wo Spieler zwischen Teams getauscht werden können. Kawasaki habe ihm erklärt, dass damit ein neues Kapitel für die Branche beginnen könnte. Hampshire entschied sich zunächst, die Angelegenheit nicht öffentlich zu machen und sich auf das Rennen in Budds Creek zu konzentrieren.
Eine Woche später informierte Hampshire seinen damaligen Teamverantwortlichen Nate über das Gespräch. Dieser reagierte sofort ablehnend. Anschließend sprach Roger De Coster mit Dan von Kawasaki. Wie Hampshire im Podcast berichtet, wurde der Deal daraufhin gestoppt.



Wenig später geriet Hampshires eigene Zukunft dann aber ins Wanken. Nach einer enttäuschenden Supercross-Saison, in der ihn zudem eine frühe Verletzung zurückgeworfen hatte, erfuhr er am Dienstag vor der öffentlichen Bekanntgabe, dass sein Team zum Jahresende aufhören würde. Bis dahin war er davon ausgegangen, dass die finanziellen Probleme gelöst seien. Plötzlich mussten sowohl er als auch Malcolm Stewart nach neuen Möglichkeiten suchen.
Hampshire beschrieb die Nachricht als emotionalen Schock. „Es fühlte sich buchstäblich so an, als hätte man uns die Scheidungspapiere überreicht“, erklärte er im Podcast. Er habe sich über Jahre als Teil einer Familie gefühlt und nicht damit gerechnet, dass die gemeinsame Zeit so abrupt enden würde.
Daraufhin nahm Hampshire die Suche nach einem neuen Team selbst in die Hand. Er kontaktierte zahlreiche Verantwortliche und führte Gespräche mit verschiedenen Herstellern. Dabei prüfte er sogar Möglichkeiten bei Teams in Brasilien. Auch Kawasaki blieb eine interessante Option – nicht zuletzt wegen der bestehenden Kontakte und des beinahe zustande gekommenen Tauschs im Vorjahr.
Hampshire war überzeugt, dass er dem Hersteller helfen könnte. Er wollte sich nicht auf vergangene Schwierigkeiten konzentrieren, sondern mit harter Arbeit überzeugen und sein Potenzial unter Beweis stellen. Gleichzeitig führte er vielversprechende Gespräche mit anderen Teams, bei denen das Interesse von Anfang an groß war.
Schließlich entschied er sich für einen neuen Zweijahresvertrag bei Ducati. Kurz vor der Unterschrift nahm er noch einmal Kontakt zu Kawasaki auf, erhielt jedoch keine konkrete Rückmeldung, die ihn von seiner Entscheidung hätte abbringen können. Hampshire unterschrieb und war überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben.
Doch nur eine Woche später meldete sich Kawasaki erneut mit einer überraschenden Frage: „Hey, bist du noch verfügbar?“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Hampshire seinen neuen Vertrag bereits unterschrieben. Damit blieb der geplante Tausch mit Jorge Prado eine bemerkenswerte Episode seiner Karriere, die zeigt, wie schnell sich die Situation auf dem Fahrermarkt verändern kann.
