Vom Supermarkt zum MX2-Weltmeister: Guillem Farres krönt eine außergewöhnliche Karriere mit dem MX2-Titel.
Guillem Farres ist 2026 MX2-Weltmeister geworden. Für den Spanier ist der Titel der vorläufige Höhepunkt einer bemerkenswerten Karriere, die vor wenigen Jahren noch kaum auf einen solchen Erfolg schließen ließ. Im Saisonfinale in Australien lieferten sich Farres und sein Triumph-Teamkollege Camden McLellan das entscheidende Duell um die Meisterschaft. McLellan gewann am Samstag den Qualifikationslauf und am Sonntag auch den ersten MX2-Lauf. Farres wurde Zweiter und hatte damit bereits genügend Punkte gesammelt, um sich den Titel vorzeitig zu sichern. Liam Everts gewann den zweiten Lauf, McLellan holte den Grand-Prix-Gesamtsieg – doch der große Triumph ging an Farres.
Dass Farres einmal Weltmeister werden würde, war lange alles andere als absehbar. 2021 fuhr der Spanier in der EMX250 meist um die Top Ten und arbeitete nebenbei sogar in einem Supermarkt, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. 2022 änderte sich seine Situation grundlegend. Farres startete zunächst weiterhin in der EMX250, wechselte zu Raths Motorsports und trat für das Team im ADAC MX Youngster Cup an. Dort gelang ihm der Durchbruch: Farres dominierte die Meisterschaft und sicherte vorzeitig den Titel.
Kurz darauf erhielt er einen Anruf von Monster Energy Yamaha Star Racing. Nach einer Verletzung im Team bekam der damals noch weitgehend unbekannte Farres die Chance, in der US-amerikanischen Pro Motocross Championship einzuspringen.
Diese Gelegenheit nutzte er sofort. Bei seinem ersten Einsatz in Budds Creek fuhr Farres auf Platz neun der Gesamtwertung, in Ironman folgte Rang elf. Auch beim Motocross of Nations in Michigan machte er auf sich aufmerksam und belegte im MX2-Qualifikationsrennen den vierten Platz.


Farres blieb anschließend in den USA und bereitete sich mit Star Racing Yamaha auf die komplette Pro-Motocross-Saison 2023 vor. Nach zwei Top-Ten-Ergebnissen zum Auftakt wurde er jedoch in Thunder Valley durch einen Sturz in der ersten Kurve ausgebremst. Ein Armbruch setzte ihn für den Rest der Saison außer Gefecht.
Im Oktober 2023 wechselte Farres zu Rockstar Energy Husqvarna. 2024 absolvierte er seine ersten beiden 250SX-Rennen und fuhr in Detroit auf Platz acht sowie in Arlington auf Rang neun. Doch erneut machte ihm eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung: Ein Trainingssturz mit Oberschenkelbruch beendete seine Saison. Damit ging auch sein Kapitel in den USA zu Ende.
Für 2025 kehrte Farres nach Europa zurück und unterschrieb beim Triumph Werksteam. Gemeinsam mit Camden McLellan bildete er das neue MX2-Duo des Teams. In ihrer ersten Saison belegten die beiden die Plätze fünf und acht in der Weltmeisterschaft. 2026 folgte dann der große Durchbruch.
Farres und McLellan entwickelten sich zu den prägenden Fahrern der MX2. Beide standen im Saisonverlauf 13-mal auf dem Podium. McLellan feierte fünf Grand-Prix-Gesamtsiege, Farres sogar sechs. Der Südafrikaner führte zwischenzeitlich die Meisterschaft an, doch Farres arbeitete sich Schritt für Schritt an die Spitze und sicherte sich schließlich den Titel.


Seine Saisonbilanz spricht für sich: sechs Gesamtsiege, 14 Podestplätze und 19 Top-Fünf-Ergebnisse. Insgesamt kommt Farres auf 42 MX2-Starts. Besonders stark war seine Saison 2026: 13 seiner 14 MX2-Podestplätze und sämtliche sechs Gesamtsiege gelangen ihm in diesem Jahr. Beim Motocross of Nations gewann er zudem die MX2-Klasse und war Teil des spanischen Teams, das erstmals das Gesamtpodium des Nationencross erreichte.
Mit dem Weltmeistertitel endet zugleich Farres‘ Zeit in der MX2. Der 23-Jährige wechselt 2027 für Triumph in die MXGP-Klasse. Dort trifft er unter anderem auf Jeffrey Herlings, Kay de Wolf, Romain Febvre, Tim Gajser und Maxime Renaux.
Für Triumph geht die Erfolgsgeschichte in der MX2 derweil weiter. Camden McLellan bleibt dem Werksteam erhalten und wird auch 2027 in der Klasse antreten. Nach Farres‘ Titelgewinn hat der Südafrikaner damit die Chance, Triumph im kommenden Jahr zum zweiten MX2-Weltmeistertitel in Folge zu führen.

