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Wie geht es mit Ken Roczen weiter?

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Lesedauer: 4 min

Ken Roczen steht vor einer schweren Entscheidung: Nach seinem ersten 450SX-Titel denkt der Suzuki-Pilot über das Karriereende nach – doch eine letzte Saison reizt ihn ebenfalls.

Eigentlich könnte Ken Roczen die Füße hochlegen. Nach Jahren des Wartens hat der Deutsche in Salt Lake City endlich seinen ersten Titel in der 450SX-Klasse gewonnen. Doch statt einer klaren Antwort auf die Frage nach seiner Zukunft hat der Triumph eine neue Frage aufgeworfen: War es das – oder geht es noch einmal weiter?

Im „SMX Extra“-Interview mit Jason Thomas und Jason Weigandt spricht Roczen offen über seine Situation. Eine Entscheidung für oder gegen eine Saison 2027 hat er noch nicht getroffen.

Nach dem Saisonfinale in Salt Lake City gönnte sich der 31-Jährige zunächst ein paar Wochen Pause. Danach blieb er allerdings im Training. „Ich wollte von Anfang an nicht in diese Falle tappen, ein paar Monate gar nichts zu machen und dann wieder bei null anzufangen“, erklärt Roczen.

Die vergangenen Wochen waren ohnehin alles andere als ruhig. Roczen war für Suzuki in England, stand für ein Fox-Fotoshooting vor der Kamera, durfte auf der Kelly Slater Surf Ranch surfen und reiste Ende Juli erstmals nach Japan. Jetzt ist er wieder zu Hause in Florida und will langsam zurück in seinen normalen Trainingsrhythmus finden.

Auf die SMX Playoffs bereitet sich Roczen derzeit auf einer Motocross-Strecke vor. Weil es in Florida zuletzt immer wieder stark geregnet hat, sind die Supercross-Strecken kaum befahrbar. Für Roczen ist das aber kein Grund zur Sorge.

„Solange ich auf einem Dirtbike sitze und aktuell Motocross fahre und mich fit halte, glaube ich, dass ich nach ein oder zwei Tagen auf einer Supercross-Strecke wieder drin bin“, sagt er.

Dass der Verzicht auf die komplette Pro-Motocross-Saison die Vorbereitung auf die Playoffs erschweren könnte, kennt Roczen aus eigener Erfahrung. 2023 war er gesund durch die Supercross-Saison gekommen und konnte anschließend vergleichsweise problemlos zurückkehren. In den vergangenen beiden Jahren sah es anders aus.

2026 ist die Situation anders. Roczen ist gesund und verzichtet trotzdem bewusst auf die Outdoor-Saison. „Ich will kein Risiko eingehen, nur um am Gate zu stehen. Ich halte mich einfach an meinen Plan“, erklärt er.

Viel schwieriger als die Vorbereitung ist für Roczen derzeit allerdings die Frage, ob es überhaupt noch eine weitere Saison geben wird.

„Mann, es ist wirklich eine schwierige Entscheidung“, gibt der Suzuki-Pilot zu. Seit Monaten schiebt er die Entscheidung vor sich her. Zu viele Argumente sprechen für beide Seiten.

Da wäre zum einen die Chance, erstmals mit der Nummer 1 in der 450SX-Klasse an den Start zu gehen. Auch für Suzuki hätte das eine besondere Bedeutung.

„Ich habe das Gefühl, dass ich Rennen fahren sollte. Nicht nur, wenn ich an mich selbst und das denke, was ich will, sondern ich glaube auch, dass es großartig für die Fans wäre“, sagt Roczen.

Hinzu kommt die besondere Situation innerhalb seines Teams. Teammanager Larry Brooks war nicht die komplette Saison dabei und könnte für 2027 wieder vollständig zurückkehren. Für Roczen wäre das ein weiterer Grund, noch einmal alles zusammenzupacken.

„Es wäre schön, denke ich, noch einen letzten großen Auftritt zu haben, wenn man es so nennen will“, sagt er.

Auf der anderen Seite hat Roczen sein großes Ziel bereits erreicht. Vor einigen Jahren hatte er seiner Frau sogar gesagt, dass für ihn Schluss sei, sollte er tatsächlich noch einmal die Meisterschaft gewinnen.

„Wenn ich die Meisterschaft gewinne, bin ich fertig. Ich bin fertig!“

Nun ist genau das passiert. Nach 17 Jahren als Profi hat Roczen den Titel, auf den er so lange hingearbeitet hat. Und genau deshalb fühlt sich die Entscheidung heute anders an.

„Es ist eine größere Frage für mich, weil dieser riesige Affe endlich von meinem Rücken ist“, beschreibt Roczen die Situation.

Gleichzeitig merkt er, dass ihm das Leben abseits des Rennsports zunehmend gefällt. Je länger er nicht auf dem Motorrad sitzt, desto weniger vermisst er es. „Je länger ich vom Fahren weg bin, desto weniger stört es mich, nicht zu fahren“, sagt er.

Roczen will deshalb nicht einfach aus Gewohnheit weitermachen. Vielmehr hofft er, dass die Rückkehr ins Training und zu den Rennen das Feuer wieder entfacht.

„Ich warte auf diesen Tag oder diesen Moment, an dem ich sage: ‚Nein, ich mache es.‘ Und dieses Gefühl war bisher einfach noch nicht ganz da.“

Auch der Titel selbst hat sein Leben nicht grundlegend verändert. Die große Anspannung fiel unmittelbar nach dem Erfolg ab, doch inzwischen ist der Alltag wieder eingekehrt. Roczen verfolgt die laufende Motocross-Saison, trainiert und macht einfach weiter.

„Natürlich kann mir niemand diese Meisterschaft wegnehmen. Sie steht in meinen persönlichen Rekordbüchern, und das ist eigentlich alles, was zählt.“

Sollte er tatsächlich zurückkehren, will er den Titel ohnehin hinter sich lassen und wieder bei null beginnen. „Meine Konzentration und meine Vorbereitung wären genau dieselben, als hätte ich die Meisterschaft nicht gewonnen. Es wäre wie ein kompletter Neustart.“

Interessant ist auch Roczens jüngster Besuch in Japan. Erstmals überhaupt reiste er in das Heimatland der japanischen Hersteller, für die er während seiner Karriere gefahren ist. Bei Suzuki traf er zahlreiche Ingenieure und Verantwortliche, besuchte die Produktion und absolvierte einen Testtag.

„Wir haben einige Dinge in Arbeit“, verrät Roczen. Mehr Details nennt er allerdings nicht.

Zum Zeitpunkt des Interviews war seine Zukunft damit weiterhin offen. Kurz vor der Veröffentlichung wurden zudem Gerüchte über ein mögliches mehrjähriges Angebot von Dustin Pipes‘ Suzuki-Team bekannt. Unterschrieben war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts.

Klar ist deshalb nur eines: Ken Roczen hat die schwierigste Entscheidung seiner Karriere noch vor sich. Will er nach dem erfüllten Traum den Helm an den Nagel hängen – oder noch einmal mit der Nummer 1 auf der Suzuki an den Start gehen?

Kai Schulte-Lippern
Kai Schulte-Lippern
Fotocredits
  • Weber Werke
Textcredits
  • Kai Schulte-Lippern

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