Hunter Lawrence setzt ein Statement, Tomac taumelt und Cole Davies marschiert weiter. Nashville hat vor dem Saisonfinale einiges verändert. Das sind die Takeaways bevor wir in die nächste Runde starten.
Vier Rennen noch in der Monster Energy AMA Supercross Championship – und nach dem Wochenende in Nashville ist klar: Jetzt beginnt die heiße Phase. Einige Fahrer haben genau zum richtigen Zeitpunkt geliefert, andere stehen plötzlich mit dem Rücken zur Wand. Vor allem Hunter Lawrence und Cole Davies reisen mit ordentlich Rückenwind weiter.
Der größte Gewinner des Wochenendes war einmal mehr Hunter Lawrence. Der Honda-Star wirkte in Nashville wie ein Mann mit Mission. Früh nicht ganz vorne, dann Stück für Stück nach vorn gearbeitet, Ken Roczen geschnappt und danach davongefahren. Genau so fährt ein Titelkandidat, wenn es ernst wird. Besonders stark: Noch vor kurzer Zeit sorgte sein heftiger Crash in Detroit für Fragezeichen. Jetzt fährt er stärker als davor. Der Vorsprung in der Meisterschaft wächst wieder – und wenn das in Cleveland ähnlich läuft, könnte es für die Konkurrenz eng werden.
Ganz anders die Stimmung bei Eli Tomac. Dabei sah zunächst alles nach Befreiungsschlag aus. Schnellster in beiden Qualifyings, Sieg im Heat Race, starke Körpersprache. Tomac wirkte wieder wie der alte Tomac. Nach dem Training sagte er sogar: „Ich glaube, wir sind zurück. Es ist großartig, meinen guten Freund Mr. Hardpack zu besuchen und das Rillen-Chaos für ein Wochenende zu beenden.“
Doch im Finale folgte der komplette Bruch. Schlechter Start, nie richtig in den Rhythmus gekommen, dann noch ein Sturz. Statt Angriff auf die Spitze gab es nur Platz zwölf. Ein bitterer Abend – und vielleicht der Moment, an dem sich der Titelkampf für ihn gedreht hat. Ab jetzt zählt für Tomac eigentlich nur noch eins: gewinnen.
Im Fahrerlager sorgte auch Dean Wilson für gute Laune. Der Publikumsliebling ist zurück und zeigte direkt, dass er noch immer konkurrenzfähig ist. Platz elf klingt unspektakulär, war in diesem Feld aber ein starkes Statement. Wenn Wilson jetzt im Flow bleibt, sind Top-10-Platzierungen absolut drin.
In der 250SX East übernimmt derweil Cole Davies immer mehr das Kommando. Anfang der Saison wirkte der junge Neuseeländer noch verwundbar, inzwischen fährt er wie ein Veteran. In Nashville ließ er die Konkurrenz nach wenigen Runden stehen und gewann mit riesigem Vorsprung. Während hinter ihm gestürzt, diskutiert und bestraft wurde, zog Davies vorne einfach durch. Wer 19 Punkte Vorsprung hat und so souverän fährt, riecht schon nach Titel.
Richtig weh tat Nashville dagegen Seth Hammaker. Erst zwei Fehler im Rennen, dann auch noch eine Strafe. Statt wichtiger Punkte gab es nur Rang fünf. Der Rückstand auf Davies ist damit deutlich angewachsen. Wenn er noch einmal angreifen will, braucht er jetzt fast ein Wunder.
Eine der schönsten Geschichten des Abends schrieb Devin Simonson. Der ClubMX-Pilot schnappte sich sein erstes Karriere-Podium und zeigte, dass Außenseiter im Supercross immer ihre Chance bekommen können. Danach sagte er: „Vielleicht werden manche sagen, es wurde mir geschenkt, aber wie ich schon sagte: Du musst erst einmal in Position sein.“
Auch Justin Hill meldete sich zurück. Lange lag er auf Podiumskurs, fuhr aggressiv und mutig wie lange nicht mehr. Genau solche Rennen braucht Hill, wenn er das Jahr stark beenden will.
Und dann war da noch Jett Lawrence. Zwar nicht auf dem Motorrad, aber im TV-Studio. Dort gab er ein Update zu seiner Verletzung: „Wir machen Fortschritte. Es war ein langsamer Prozess. Es war definitiv nicht so einfach wie das Kreuzband, aber wir kommen dahin.“ Ein Satz, der zeigt: Das Comeback lebt – aber Geduld bleibt nötig.
Unterm Strich hat Nashville die Fronten geschärft. Hunter Lawrence hat in der 450SX die besten Karten. Cole Davies fährt in der 250SX East wie ein Champion. Und für Fahrer wie Tomac oder Hammaker gibt es ab sofort keinen Spielraum mehr.
