Der Vergleich mit einem guten Wein, der umso besser wird, desto reifer er ist, zwingt sich bei Maximilian Nagl regelrecht auf.
Der 38-jährige verpasste in der vorigen Saison auf einem neuen Motorrad sowie in einem neuen Team seinen sechsten Titel nur knapp und ist hungrig wie eh und je. Er möchte für Triumph die erste Meisterschaft im ADAC MX Masters sichern und ist nach einer guten Vorbereitung zuversichtlich für die neue Saison. Im Vorsaison-Interview verriet er, ob dies seine letzte Rennsaison als Profifahrer sein wird.
Wie läuft die Saisonvorbereitung auf die ADAC MX Masters Saison 2026?
Max Nagl: „Die Saisonvorbereitung läuft ganz gut und ich bin zufrieden. Ich war den ganzen Winter über gesund, das ist immer das Wichtigste, und konnte dieses Jahr etwas früher bei Vorbereitungsrennen starten. Mit dem Motorrad läuft alles und wir machen damit in der Entwicklung immer wieder Schritte nach vorne. Es werden noch weitere Updates fürs Motorrad kommen, die ich dann beim nächsten Vorbereitungsrennen in Oss testen werde.“
War die Vorbereitung durch den Zwei-Jahres-Vertrag mit Dörr Motorsport ruhiger?
„Auf jeden Fall war es einfacher als vergangenes Jahr, da es im Vorjahr ein ganz neues Projekt war und die Motorräder und Spezialteile erst sehr spät kamen. Als ich letzten Winter in Spanien war, musste ich noch mit einem kompletten Standardmotorrad trainieren, weil einfach noch kein Material da war. Für diesen Winter war bereits alles fertig und ich konnte zum Teil die Motorräder vom letzten Jahr nehmen. Deswegen war das jetzt schon ein bisschen entspannter.“

Ein kurzer Rückblick auf die Saison 2025: Wurde der Titel verloren oder der zweite Platz gewonnen?
„Rückblickend auf 2025 ist alles okay. Klar hätte ich lieber den Titel geholt, aber ich bin mit dem zweiten Platz auch zufrieden, wenn man die Umstände betrachtet: Wir hatten ein neues Team, ein neues Projekt, ein neues Motorrad, es war nicht immer so einfach. Es sind auch viele Sachen hinter den Kulissen passiert, die man in der Öffentlichkeit gar nicht mitbekommen hat, wo viel Arbeit drinsteckte und die teilweise auch etwas Punkte gekostet haben. Das ist aber im Motorsport so, das war auch einkalkuliert und deswegen war ich auch nicht traurig über den zweiten Platz. Für die Saison 2026 sind wir besser aufgestellt und ich möchte ganz klar wieder um den Titel fahren.“
20 Jahre nach dem ersten ADAC MX Masters Titel fährst du immer noch um die Meisterschaft mit. Was ist das Rezept für so eine lange Karriere und wird es die letzte Saison sein?
„Meine Karriere ist ja noch wesentlich länger. (lacht) Aber wenn man sieht, dass 2006 mein erster ADAC MX Masters Titel war und ich 2026 wieder um einen Titel kämpfen kann, ist das schon eine lange Zeit. Es ist nicht immer einfach und es wird jedes Jahr schwieriger. Ich lebe sehr gesund und diszipliniert, von der Ernährung über das Training bis hin zur Regeneration. Das sind alles Dinge, die gehören dazu, dass ich den Sport in meinem Alter immer noch auf so einem hohen Niveau betreiben kann. Ich werde dieses Jahr 39 Jahre alt. Viele sagen, ich soll das tun, bis ich 40 bin. Aber ob ich das mache, weiß ich nicht. Im Moment entscheide ich von Jahr zu Jahr. Mein Zweijahresvertrag mit Triumph läuft dieses Jahr aus. Ich fühle mich momentan gut, ich bin motiviert, ich habe Spaß bei der Sache und solange das der Fall ist, kann ich den Sport machen. Aber irgendwann kommt der Punkt, wenn es vielleicht körperlich nicht mehr geht oder der Spaß wegfällt oder so, dann ist der Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören. Aber da bin ich noch nicht. Ich möchte diese Saison so gut wie möglich fahren und muss mich erst im Spätsommer, wenn die Verhandlungen losgehen, mehr damit beschäftigen, was ich in Zukunft mache.“
Wo sind die Vor- und Nachteile gegenüber der jüngeren Konkurrenz?
„Ein Vorteil ist natürlich meine Erfahrung. Ich weiß ganz genau, wie ich mich auf die Rennen vorbereiten muss, was ich beim Training zu machen habe, wie das Ganze abläuft. Man ist auch ein bisschen entspannter bei den Rennen und nicht mehr ganz so nervös. Was aber fehlt, ist die Spritzigkeit. Das heißt beim Start und in den ersten Runden ist es für mich nicht einfacher geworden oder ganz speziell die Quali. Die war ohnehin noch nie meine Stärke und das wurde über die Jahre noch schwieriger. Ich habe mich dazu auch viel mit meinem ehemaligen Trainer unterhalten. Der hat mir Tipps gegeben, was ich im Training für mein Alter anpassen kann, um dem etwas entgegenzuwirken. Aber im Endeffekt ist es die Biologie und man wird einfach mehr und mehr wie ein Diesel: umso länger die Renndistanz, desto besser werde ich, aber die Sprintqualitäten lassen einfach nach und das muss ich woanders wieder ausgleichen. Das ist die schwierigste Aufgabe für mich.“

Wer werden die stärksten Gegner in der neuen Saison sein?
„Das wird ähnlich sein wie letztes Jahr. Roan van de Moosdijk und die üblichen der letzten zwei Jahre sind alle wieder dabei. Vielleicht kommen noch Leute wie Talviku oder neue Fahrer aus Schweden und Norwegen mit ins Spiel, weil wir überwiegend Sandrennen haben und dort sind die natürlich richtig stark. Man muss einfach mal abwarten, wirklich sagen kann man es erst nach dem ersten Rennen.“
Auf welche Veranstaltung ist die Vorfreude besonders hoch?
„Am meisten freue ich mich auf Bitche in Frankreich. Eine recht neue Strecke im Kalender ist immer toll, weil es einfach etwas Anderes ist. Und mir gefällt ihr Layout, da dieses eher wie das einer Hartbodenstrecke ist, jedoch mit Sandboden. Das macht es sehr anspruchsvoll zum Fahren, weil sich extrem große und tiefe Löcher herausfahren, aber das mag ich. Ich fahre eigentlich alle Strecken gerne bis auf Gaildorf, das ist in den letzten Jahren immer ein Problem bei mir gewesen. Aber auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht und werde dieses Jahr etwas Neues ausprobieren. Ob das dann aufgeht, werden wir erst beim Rennen sehen.“
Hat sich im Programm etwas geändert?
„Geändert hat sich in der Vorbereitung in technischer Hinsicht zum Vorjahr, dass wir uns jetzt mehr um die Performance als um die Standfestigkeit kümmern konnten, um das Motorrad noch besser auf mich abzustimmen. Mein Motorrad wird dieses Jahr etwas mehr Leistung haben, vom Chassis haben wir über die Schwinge ein paar Veränderungen gemacht. Außerdem arbeite ich jetzt mit ORS Suspension zusammen, mit denen wir bereits starke Fortschritte am Fahrwerk erzielen konnten. Das sind so Feinheiten, die mir als Fahrer wirklich helfen. Ich habe auch einen anderen Rennmechaniker für dieses Jahr. Zu Hause ist aber alles gleichgeblieben, ich habe denselben Trainingsmechaniker, die körperliche Vorbereitung, eigentlich ist alles wie immer.“
