Rockstar Energy Husqvarna Factory Racing hört 2027 auf – und damit beginnt das große Rätselraten. Wer landet wo? Welche Fahrer verlieren ihren Platz? Und was passiert eigentlich mit dem Team selbst?
Husqvarna hat es offiziell gemacht: Das Rockstar Energy Husqvarna Factory Racing Team in der SMX-Serie wird in seiner jetzigen Form nach der Saison 2026 nicht mehr existieren. Was sich nach einem harten Cut anhört, ist in der Realität etwas komplizierter – und vor allem noch längst nicht vollständig geklärt.
Das Team selbst verschwindet nicht einfach. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass die bestehende Struktur rund um Nate Ramsey und seine Crew künftig das 250er-Programm von Red Bull KTM Factory Racing abbildet. Die 450er-Seite von Red Bull KTM Factory Racing bleibt davon unberührt und läuft in gewohnter Struktur weiter. Zudem will Husqvarna künftig unabhängige Teams und Fahrer mit Werksmaterial und technischer Expertise unterstützen. Welche Teams davon profitieren, ist noch offen. Das bisherige AEO KTM-Team gilt als naheliegender Kandidat, aber offiziell bestätigt ist nichts.
Was mit den aktuellen Fahrern passiert, ist die eigentlich spannende Frage. Team Manager Nathan Ramsey hatte noch Mitte April bestätigt, dass Malcolm Stewart, Daxton Bennick und Ryder DiFrancesco Verträge durch 2027 haben. Durch die Umstrukturierung könnte sich das jedoch ändern – zumindest für die 450er-Piloten. Denn Red Bull KTM Factory Racing stellt in der Königsklasse bereits drei Fahrer, was für Malcolm Stewart und RJ Hampshire wenig Spielraum lässt, intern weiterzumachen.


Anders sieht es in der 250er-Klasse aus. Red Bull KTM Factory Racing hat dort aktuell nur Julien Beaumer unter Vertrag. Fahrer wie Daxton Bennick und Ryder DiFrancesco würden hier im Rahmen des neuen 250Sccm-Programms Platz finden. Ob es tatsächlich so kommt, ist noch nicht bestätigt, gilt aber als wahrscheinlichstes Szenario. Casey Cochran war ohnehin ohne Vertrag für 2027 – für ihn ändert die Umstrukturierung formal wenig, die Suche nach einem neuen Team war bereits absehbar.
Der 450er-Markt wird durch den Husqvarna-Rückzug jedenfalls heißer. Triumph und Ducati suchen Fahrer, das HEP Suzuki-Team könnte je nach Jason Andersons Status ebenfalls nachrüsten müssen. Dazu kommen Kandidaten wie Justin Barcia und Dylan Ferrandis, die neue Deals brauchen. Malcolm Stewart und RJ Hampshire würden in dieses Feld mit etablierter Werkserfahrung hineinplatzen – was die Optionen für alle Beteiligten komplizierter, aber auch interessanter macht.
Zusätzlichen Zündstoff bringt das geplante USA-Debüt der belgischen Zwillingsbrüder Lucas und Sacha Coenen. KTM-Motorsportdirektor Roger DeCoster bestätigte bereits im Herbst 2025, dass der vollständige Wechsel in die USA für 2027 vorgesehen ist – mit Lucas in der 450er- und Sacha in der 250er-Klasse. Beide starten aktuell noch in der Motocross-WM für Red Bull KTM Factory Racing. Sollte der Plan wirklich aufgehen, erhöht das den Druck auf die freien Plätze im KTM-Umfeld erheblich: Sacha als weiterer 250er-Kandidat, Lucas als hochkarätiger Neuzugang in der Königsklasse – beides keine guten Nachrichten für die Husqvarna-Piloten auf Jobsuche.


Husqvarna wird also weiterhin in den USA präsent sein – nur nicht mehr als eigenständiges Werksteam. Ähnliches hatte sich bereits in der MXGP angedeutet, wo das Husqvarna-Programm vor einigen Jahren fast vollständig in die KTM-Struktur aufgegangen wäre, dann aber kurzfristig doch eigenständig blieb. In den USA zieht man jetzt die konsequentere Linie – und ist damit nicht allein: Rockstar Energy Husqvarna Factory Racing ist nach dem Ende von GasGas Factory Racing bereits das zweite Werksteam unter KTM-Eigentümerschaft, das aus dem SMX-Paddock verschwindet.
Viele Details stehen noch aus. Wie die neuen Programme konkret aussehen, welche Teams zum Zug kommen und was aus den Fahrern wird – das alles muss sich in den kommenden Wochen erst noch zeigen. Die Silly Season läuft bereits jetzt langsam an.
